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Qualifikation eines WEG-Verwalters

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Bisherige Regelung für Qualifikation eines WEG-Verwalters

Bisher existiert kein gesetzlich geregeltes Berufsbild des Wohnungseigentumsverwalters. Es bedarf lediglich einer Gewerbeerlaubnis, die mangels entgegenstehender Regelung derzeit Jedermann erhalten kann. Deshalb darf jeder – auch mit Nullqualifikation – Wohnungseigentum verwalten. Das ist angesichts der erheblichen Werte, um die es beim Immobilieneigentum geht und der Komplexität der Materie unvertretbar.

Gescheiterte Neuregelung für WEG-Verwalter

Deshalb sollte nach einem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Wirtschaft eine Berufsregelung für gewerblich tätige Wohnungseigentumsverwalter in der Gewerbeordnung (§ 34c GewO – RefE) eingeführt werden. Danach sollte diese Tätigkeit erlaubnispflichtig werden. Zum Erhalt der Erlaubnis war u.a. eine Sachkundenachweis und ein der Nachweis eines ausreichenden Versicherungsschutzes vorgesehen. Vom Sachkundenachweis ist im Laufes des Gesetzungsverfahrens nur noch eine (minimale) Fortbildungspflicht übrig geblieben.

Die Verwaltung von Wohnungseigentum erfordert qualifizierte Berufsausbildung - Immobilienkaufmann

WEG-Verwalter braucht eine qualifizierte Ausbildung | KSG bildet regelmäßig aus

Unberührt davon bleibt aber nach wie vor die Selbstverwaltung durch einen Miteigentümer, die auch künftig ohne Gewerbeerlaubnis zulässig bleibt.

LG Stuttgart zeigt Notwendigkeit der Ausbildung für WEG-Verwalter

Wie notwendig eine solche Regelung ist, zeigt eine Entscheidung des LG Stuttgart (Urteil vom 29.07.2015, 10 S 68/14, ZWE 2016, S. 97 f.). Entgegen einer Entscheidung des LG Düsseldorf vom 18.10.2013 entschied das LG Stuttgart:

Ein Verwalterkandidat ist nicht allein deshalb ungeeignet, weil er keine Ausbildung in der Immobilienverwaltung absolvierte und noch nie selbständige Erfahrungen als WEG-Verwalter gesammelt hat. Eine Verwalterbestellung eines Kandidaten kann auch dann ordnungsgemäßer Verwaltung entsprechen, wenn dieser weder über eine betriebswirtschaftliche noch über eine rechtliche Ausbildung verfügt (also Nullqualifikation reicht!).

Wir halten diese Entscheidung für unvertretbar. Das ergibt sich insbesondere auch aus den weiteren Erwägungen des Gerichts:

LG Stuttgart stellt kaum Anforderungen an WEG-Verwalter

Das LG hielt es für ausreichend, dass die bestellte Verwalterin bei der Wahl die Zusagen gab, sich zur Einarbeitung in das Amt kundig zu machen, Fortbildungen zu besuchen und die notwendigen Versicherungen abzuschließen. Ihre berufliche Stellung als Polizeibeamtin weise sie als zuverlässig aus.

Ihre Bestellung habe für die Wohnungseigentümer gegenüber den anderen Bewerbern zudem den Vorteil, dass die von ihr geforderte Verwaltervergütung mit 10 Euro netto pro Einheit und Monat deutlich günstiger sei, als die der Mitbewerber.

Eine fachliche Qualifikation sei auch nicht Voraussetzung für die Ausübung einer Verwaltertätigkeit.

Da fragt man sich dann schon, warum es eine Berufsausbildung für den Kaufmann für Wohnungseigentumsverwaltung oder einen Immobilienkaufmann (früher Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft) gibt! Es ist aus unserer Sicht richtig, dass die Verwaltung von Wohnungseigentum umfassende Kenntnisse aus diesem Bereich erfordert und dass gewerbliche Immobilienverwalter auch den Nachweis ausreichender Kenntnisse auf dem Gebiet der WEG-Verwaltung erbringen sollten.

WEG-Verwalter ohne Ausbildung ist ein Unding

Ausbildung zum Immobilienkaufmann unverzichtbar für professionelle Immobilienverwaltung

Die Entscheidung macht überdeutlich, dass der Gesetzgeber gefordert ist und wie sich gezeigt hat, bisher seiner Aufgabe leider nicht nachgekommen ist.

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