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Energetisch top – trotzdem hohe Heizkosten

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Unter dem Titel „Energiewende wird im Wohnzimmer entschieden“ informierte die Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung e.V. am 13.03.2013 in einer Pressemitteilung über die Studie zur Energieeffizienz, die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft erarbeitet wurde.

FunkHKV1

Die Ergebnisse der Studie

In wärmegedämmten Gebäuden wird mehr Energie verschwendet als in ungedämmten. Der absolute Energieverbrauch wird mit zunehmender energetischer Gebäudequalität immer kleiner, aber der Einfluss der Nutzer und ihre Neigung zum verschwenderischen Umgang nehmen deutlich zu. Zu diesem Ergebnis kommt die bundesweit größte Studie zur Energieeffizienz in Gebäuden des Prof. Dr. Clemens Felsmann. Sein Fazit: Je besser der energetische Zustand der Gebäudehülle ist, desto weniger kümmert die Bewohner ihr Umgang mit der Wärme..

Felsmann ist Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung und lehrt am Institut für Energietechnik der Technischen Universität Dresden. Die Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung hat Felsmann anonymisierte Messdaten von 3,3 Millionen Wohnungen zur Verfügung gestellt.
Nutzer in Altbauten deutlich energiebewusster
Die Analyse belegt, dass in Mehrfamilienhäusern die gemessenen Raumtemperaturen in zwei Dritteln aller untersuchten Wohnräume deutlich unter dem theoretischen Sollwert von 20 °C liegen. Die Hälfte aller erfassten Werte lag sogar unter 19 °C. Demnach verhalten sich Nutzer in Altbauten deutlich energiebewusster als bisher angenommen, und ihr Verhalten hat einen größeren Einfluss auf den Gesamtverbrauch als vermutet. Der gemessene Energieverbrauch von Altbauten fällt im Durchschnitt deutlich niedriger aus als der berechnete Bedarf nach EnEV. Einsparpotenziale von energetischen Maßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik werden deshalb überschätzt.
Die Felsmann-Studie weist nach, dass die durchschnittlichen Raumtemperaturen mit der energetischen Qualität der Gebäude deutlich steigen. Wohnungen, die zwischen 1958 und 1967 erstellt wurden, sind durchschnittlich 18,1 °C warm. Solche aus den Jahren 1978 bis 1995 sind nur unwesentlich höher temperiert. Doch bereits die Baujahre von 1996 bis 2001 sind mit 19,4 °C deutlich wärmer. Wohnungen nach dem EnEV-2002-Standard legen weiter zu auf rund 20 °C. In Gebäuden nach aktueller EnEV sind die Raumtemperaturen im Mittel noch höher.
Energieverbrauch für Warmwasser wird unterschätzt

Laufender_Wasserhahn_by_Florian L._pixelio.de

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass der Gebäudezustand keinen Einfluss auf den Energiebedarf für die Trinkwassererwärmung hat. Allerdings steigt der relative Anteil am Gesamtwärmeverbrauch mit zunehmender energetischer Gebäudequalität. Für Neubauten beträgt der Anteil hierfür über 30 Prozent. Aus dem umfangreichen Datenmaterial ermittelte Felsmann einen durchschnittlichen Energieverbrauch von 26 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/(m2 a)) für die Wassererwärmung. Dieser Verbrauchswert liegt mehr als das Doppelte über dem in DIN V 18599 Teil 10 angenommenen Nutzenergiebedarf von 12,5 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter. In einem Altbau, der vor 1977 erstellt wurde, fallen durchschnittlich 17 Prozent des Heizwärmeverbrauchs auf die Warmwasserbereitung. In Gebäuden, die nach der EnEV 2002 gebaut wurden, sind es bereits 28 Prozent.

Nutzerverhalten macht DIN-Berechnungen zur Farce

Einsparpotenziale im Altbau könnten jedoch nur dann seriös prognostiziert werden, wenn für jeden Einzelfall die tatsächliche Verbrauchssituation geprüft werde. Ebenso wie im Altbau würden die Auswirkungen der energetischen Vorschriften nach EnEV im Neubau überschätzt. Der Wissenschaftler macht auch hierfür im Wesentlichen das Nutzerverhalten verantwortlich. Vor allem in neuen Gebäuden mit niedrigem Energiebedarf verbrauchen die Nutzer durch ihr Heiz- und Lüftungsverhalten mehr Wärme als berechnet.

Fazit

Das Nutzerverhalten ist entscheidend. Nur wer weiß, wie viel Energie er verbraucht und was das kostet, wird sein Verhalten im Umgang mit Energie überdenken. Und daraus kann man schließen: Nach einer energetischen Gebäudemodernisierungen werden einige Jahre ins Land gehen, bis die Nutzer das verstanden haben und ihr Verhalten entsprechend ausrichten.

Was fehlt in der Studie

Mit keinem Wort geht die Pressemitteilung darauf ein, dass die Kosten der verbrauchsabhängigen Abrechnung in modernisierten Gebäuden einen immer größeren Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Sind Wärmemengenzähler im Einsatz, betragen die Kosten der Ablesung und Abrechnung schon mal deutlich über 25 % der Gesamtkosten. Das führt dann häufig dazu, dass auf den Einsatz der Messausstattung aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet wird, was wiederum zu Folge hat, dass dem Nutzer seine Kosten nicht vor Augen geführt werden und deshalb die mögliche Einsparung nicht eintritt. Ein Teufelskreis!
Quelle der Pressemitteilung am  22-06-2014: http://www.arge-heiwako.de/117-0-energiewende-wird-im-wohnzimmer-entschieden.html

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